Teaser

Versuch über die nachhaltige Ordnung merkwürdiger Dinge (2026)

Manche Orte sind voller Geschichten. Der Fundus ist einer davon.

Hinter den Kulissen des Stadttheaters liegt ein Ort, der eigentlich schweigen sollte. Tut er aber nicht. Hier lagern Kostüme, die Könige gesehen haben. Möbel, die Liebende und Verzweifelte getragen haben. Requisiten, die Triumphe und Katastrophen überlebt haben. Sie alle haben sich etwas gemerkt – und sie haben angefangen zu sprechen. In kleinen Gruppen geht es in diesen verborgenen Kosmos: Lager, Korridore, Werkstattzonen. Räume, die sonst verschlossen bleiben. Was als Führung beginnt, kippt schnell ins Spiel.

Die Geschichte

Emma Casali, die neue Regieassistentin am Stadttheater Gießen, sucht verzweifelt nach den richtigen Gegenständen für eine neue Inszenierung. Doch in diesem eigensinnigen Fundus gehorcht nichts. Die Dinge haben Allüren, Meinungen – und einen eigenen Willen und wollen gehört werden.
Also macht sie das Publikum zu Kompliz*innen und schickt es auf eine Suche: nach Objekten, nach Geschichten, nach dem, was Theater im Innersten zusammenhält.

Wie die Dinge sprechen lernen

In den Monaten vor der Premiere haben wir Interviews mit den Mitarbeitenden aller Gewerke geführt – Schreinerei, Schlosserei, Malsaal, Kostümabteilung, Requisite, Maske, Bühnentechnik. Wir haben gefragt: Welches Objekt liebst du? Welches hasst du? Welche Geschichte verbindest du mit einem Stück hier?
Hinter jedem Objekt im Fundus steht ein eigenes Sprachmodell – ein LLM, trainiert auf den Interviews mit den Gewerken und Inszenierungs-Archiven So bekommt jede Requisite eine eigene Stimme, eine eigene Geschichte, einen eigenen Eigensinn. Nichts ist aufgenommen, nichts vorab eingesprochen. Was du hörst, entsteht in dem Moment, in dem jemand mit dem Objekt spricht.
Das ist die zentrale Setzung der Inszenierung: Erst durch die digitale Erfassung werden die Stimmen der Requisiten hörbar. Solange ein Objekt nur eines unter tausenden im Fundus ist, geht es im Rauschen unter. Erst die Digitalisierung gibt ihm Kontur.

Was dich erwartet

Performativ, interaktiv, audiovisuell. Du bewegst dich durch Räume, hörst Stimmen, folgst Spuren. Manchmal wirst du gefragt. Manchmal entscheidest du mit. Manchmal hörst du einfach zu.
Ensembleschauspielende des Stadttheaters und Tänzer*innen der Justus-Liebig-Universität Gießen führen durch den Abend. Keine Sorge: Niemand wird vorgeführt, niemand muss performen. Wer mitreden will, kann. Wer lieber zuhört, ist genauso richtig. Neugier reicht.

Nachhaltigkeit als künstlerische Frage

Der Fundus ist radikale Nachhaltigkeit in der Praxis: Dinge werden nicht weggeworfen, sondern weiterverwendet, umgedeutet, neu erzählt. Das Projekt entsteht im Rahmen des „Fonds Zero" der Kulturstiftung des Bundes und knüpft an „Fifty Degrees of Now" an. Parallel zur Inszenierung entsteht eine Datenbank, die den Fundus erstmals systematisch durchsuchbar macht – denn was nicht auffindbar ist, wird neu gekauft.

Termine

Do, 04.06.2026 / ab 18.00 Uhr alle 20 min

Fr, 05.06.2026 / ab 17.00 Uhr alle 20 min

Kauf dir hier ein Ticket: 

https://stadttheater-giessen.de/de/veranstaltungen/stuecke/versuch-uber-die-nachhaltige-ordnung-merkwurdiger-dinge/

Team

Regie: Nina Maria Stemberger | Medienkunst: Birk Schmithüsen | Creative Coding: Meredith Thomas, Birk Schmithüsen | Stage Design: Anna Cingi | Webdesign: Eleanor Vincent | Klimabeauftragter: Patrick Schimanski | Mitarbeiter des Klimabeauftragten: Jakob Deuter

mit: Emma Casali_ Anna Präg, Der Geisterjäger_ Levent Kelleli | Tanz: Isidora Soledad Gazmuri Donoso, Santiago Mariño , Micaela Odriozola Maglie

Praktikantinnen: Svenja Beilke, Martha Kapfhammer, Sophie Kuhl, Naïg Le Bec, Yevheniia Panchenko

 

Nina Maria Stemberger

ist Performancekünstlerin, Choreografin, Theater- und Tanzpädagogin. Sie ist Mitbegründerin der Performance-Gruppe ArtesMobiles. In ihrer Arbeit stellt sie sich immer wieder die Frage, wie Kunst im öffentlichen Raum ein integraler Bestandteil der Entwicklung von Zukunftsperspektiven sein kann und wie sie gestaltet werden kann.

weitere Projekte: FlyingDrinks, BehindWalls, SpeculativeAI, *JU.PI.TER*, MagicDrink, LaBodega, SquareLand

artesmobiles.art

Birk Schmithüsen

ist Medienkünstler. Seine Arbeiten werden international auf wichtigen Medienkunst Festivals in Frankreich, Holland, Österreich, Spanien und Deutschland gezeigt, darunter die re:publica, der Chaos Communication Congress, das Ars Electronica Festival und das ZKM. Birk Schmithüsen ist Mitbegründer von ArtesMobiles und Flashclash. Für die Zusammenarbeit mit den darstellenden Künsten produziert er interaktive, audiovisuelle Umgebungen mit generativem Sound Design, mehrkanal Ton, Licht Design, Video Projektions Mapping und Motion Tracking. Mit Hilfe der genannten Techniken entstehen immersive Szenerien, mit denen die Performer*innen interagieren und in die die Zuschauer*innen eintauchen können.

weitere Projekte: FlyingDrinks, BehindWalls, SpeculativeAI, *JU.PI.TER*, MagicDrink, LaBodega, SquareLand

birkschmithuesen.com

flashclash.de

soundcloud.com/birk-music

 

 

Anna Maddalena Cingi

(Bühnenbild und Objektdesign) ist eine italienische Designerin und Tüftlerin, die seit 2014 in den Bereichen Theater, Oper und Multimedia-Performance arbeitet und sich auf das Erzählen von Geschichten durch den Raum und den ausdrucksstarken Einsatz von Unordnung, Textur und Materialität konzentriert.
2019 gewann sie den Premio Tragos. Sie lebt derzeit
Mailand und Berlin.

https://annacingi.com/

in Kooperation mit:

gefördert von:

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